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Digitalisierung im Gesundheitswesen: Wer digitale Informationen und Angebote kennt, kann auch davon profitieren

Die Digitalisierung spielt im deutschen Gesundheitswesen mittlerweile eine große Rolle. Ein entscheidender Faktor rückt nun endlich in den Mittelpunkt: das Wissen der Versicherten.

„Die Gestaltung des digitalen Wandels in der Gesundheit kommt in Deutschland nur schleppend voran. Digitale Health- Anwendungen sind bisher kaum in der Regelversorgung angekommen.“ Dieses ernüchternde Fazit ziehen nicht nur die Autoren der Bertelsmann-Studie #SmartHealthSystems 2018. Damals belegte Deutschland im Vergleich mit 16 anderen Nationen nur den vorletzten Platz. Auch wenn sich das deutsche Gesundheitswesen mittlerweile in einer fulminanten Transformation befindet, lag der Fokus lange auf technischen Innovationen. Selbst Leistungserbringer wie Ärztinnen und Ärzte wurden nur halbherzig auf dem Weg in ihre neue Arbeitswelt begleitet.

Vielfältige Zielgruppen

Die aktuelle GEDA-Erhebung („Gesundheit in Deutschland aktuell“) des Robert Koch-Instituts 2019/2020 zeigt, dass eine geringere Bildung mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 einhergeht. Gering Gebildete stellen daher eine wesentliche Zielgruppe für Maßnahmen dar. Aber auch für Jugendliche gilt es gleichermaßen Angebote zu schaffen, um in der heutigen Medienvielfalt den Unterschied zwischen gesicherten Informationen und Fake News zu verdeutlichen. Seriöse Quellen wie das neue nationale Gesundheitsportal sind ein erster Schritt in diese Richtung. Auch sie bedürfen aber einer Erklärung und Einführung, die nicht mit reinen Klicks zu machen ist.

Für den Vorstand der BKK W&F, Björn Hansen, ist klar: „Gesundheitskompetenz kann man lernen.“ Für wichtig hält er dabei die Kooperation aller relevanten Akteurinnen und Akteure sowie Netzwerke aus allen gesellschaftlichen Bereichen mit hoher Glaubwürdigkeit. Dazu zählen auch die gesetzlichen Krankenkassen, die nun entsprechende Leistungen identifizieren, fördern und anbieten.

Erfolgsfaktor Gesundheitskompetenz

Erst seit gut einem Jahr stehen auch die Versicherten auf der politischen Tagesordnung. Die Erkenntnis: Nur, wer digitale Informationen und Angebote richtig nutzt, kann auch davon profitieren. Aktuelle Studienergebnisse der GEDA-Erhebung zeigen auf: Eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz hat Auswirkungen auf den Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten, Risikofaktoren wie Adipositas, Rauchen und Bewegungsmangel und führt zu einer verstärkten Inanspruchnahme von Leistungen. „Der digitalen Gesundheitskompetenz fällt endlich eine Schlüsselrolle zu“, erläutert Hansen. Die Studien machen in seinen Augen die negativen Folgen der fehlenden Gesundheitskompetenz deutlich. Dazu gehören ungesunde Verhaltensweisen, höhere Fehlzeiten am Arbeitsplatz und letztlich auch eine intensivere Nutzung des Gesundheitssystems. „Geringe Gesundheitskompetenz hat also auch ökonomische Folgen“, betonte er.

Eine sinnvolle Aufgabe: „Nicht nur Ältere können mit dem Tempo der Digitalisierung im Gesundheitswesen kaum noch schritthalten und benötigen hierbei Unterstützung. Auch die BKK W&F wird daher künftig dazu beitragen, dass Versicherte, egal welchen Alters oder Ausbildungsstands, von digitalen Innovationen profitieren“, erläutert Hansen. „Wenn wir über Teilhabe und Zugang zu Informationen reden, dann müssen wir auch Zugangswege schaffen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es für viele Menschen Barrieren gibt, Gesundheitsangebote anzunehmen“, so Hansen. Nur dann haben Innovationen rund um Videosprechstunden oder die elektronische Patientenakte auch die Chance, lebendiger Teil unseres Alltags zu werden.

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Portraitfoto BKK Vorstand Björn Hansen
Björn Hansen, Vorstand

Digitale Gesundheitskompetenz

  • ist eine spezifische Form der Gesundheitskompetenz,
  • umfasst die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen in digitalen Anwendungen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen/ einzuschätzen und anzuwenden.

Förderung durch gesetzliche Krankenkassen

Gesetzliche Krankenkassen werden künftig auch Leistungen „zur Förderung des selbstbestimmten gesundheitsorientierten Einsatzes digitaler oder telemedizinischer Anwendungen und Verfahren durch die Versicherten“ anbieten. Grundlage ist eine gesetzliche Neuregelung im fünften Sozialgesetzbuch. Die Leistungen sollen dazu dienen, den Versicherten die für die Nutzung digitaler oder telemedizinischer Anwendungen und Verfahren erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln. Sie dürfen nicht nur in digitaler Form angeboten werden, um auch Menschen mit bislang geringer digitaler (Gesundheits-) Kompetenz zu erreichen.

Die Leistungen sollen folgende Ziele erreichen:

  • Versicherte informieren und befähigen, digitale Gesundheitsangebote für sich zu erschließen und zu nutzen. Dabei sollen auch die Datensicherheit und der Datenschutz eine Rolle spielen.
  • Erhöhung der Chancengleichheit, indem Versicherte durch Nutzung von digitalen Gesundheitsanwendungen ihre Selbstwirksamkeit erhöhen können.

Klasse Kasse

Eine neue Satzungsregelung der BKK W&F zur digitalen Gesundheitskompetenz soll im ersten Quartal 2022 in Kraft treten. Mehr zum konkreten Leistungsumfang und dem aktuellen Stand des Genehmigungsprozesses durch das Bundesamt für Soziale Sicherung als Aufsichtsbehörde gibt es bald unter
bkk-wf.de/gesundheitskompetenz.

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