29.04.2019

Eine Untersuchung beim Arzt selbst zahlen?

Nicht jedes Zusatzangebot hat einen medizinisch belegten Nutzen

TOP 10 decken 53 Prozent aller IGeL ab.

Egal ob Früherkennung, alternative Heilverfahren, medizinisch- kosmetische Behandlungen oder neue Therapieformen - Patienten wird häufig eine Vielzahl von ärztlichen Zusatzleistungen angeboten. Diese Individuellen Gesundheitsleistungen oder kurz IGeL genannten Leistungen gehören nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse. Denn sie haben bislang nicht gezeigt, dass sie - so wie es das Gesetz fordert - zweckmäßig sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Derartige Diagnose- und Behandlungsmethoden werden den Patienten daher zusätzlich und auf eigene Rechnung angeboten. Notwendig ist schriftliche Vereinbarung über die Kosten zwischen Arzt und Patient.

Der Stachel steckt im Detail

IGeL-Leistungen mangelt es häufig noch immer an verständlichen und aussagekräftigen Patienteninformationen. Patienten sollten daher vor einer Behandlung das Für und Wider in aller Ruhe abwägen. Das Angebot an sich ist rechtlich zulässig. Leider werden diese Leistungen aber häufig ohne vorherige Vereinbarung privat abgerechnet. Den Patienten wird dann geraten, die Rechnung bei der Krankenkasse einzureichen. Auch wenn sich gesetzliche Krankenkassen mittlerweile an einzelnen Leistungen beteiligen dürfen: für eine generelle Kostenübernahme gibt es keine rechtliche Möglichkeit.

Bevor Sie einer IGeL zustimmen, sollten Sie sich daher grundsätzlich umfassend vom Arzt informieren lassen. Der Arzt sollte Ihnen erklären, warum er die IGeL für notwendig und eine entsprechende Kassenleistung für nicht ausreichend hält, welche Vor- und Nachteile die IGeL hat und wie gut diese nachgewiesen sind. Außerdem sollten Sie erfahren, wie viel die Leistung kostet. Darüber hinaus gibt es keine Notwendigkeit, eine IGeL sofort in Anspruch zu nehmen.

 

Hintergrund

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind Leistungen, die nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Sie können oder konnten bislang nicht wissenschaftlich fundiert zeigen, dass sie, wie es das Gesetz von Pflichtleistungen fordert, "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten". Wichtigste Instanz ist hier der Gemeinsame Bundesausschuss, kurz G-BA. Er legt im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen fest, welche medizinischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen müssen. Leistungen, die der G-BA als Leistung ablehnt, dürfen auch freiwillig nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Der MDS schätzt die Zahl der IGeL auf mehrere Hundert. Wie viele es genau sind, lässt sich nicht sagen. Denn man kann sie verschieden definieren, beliebig fein unterteilen und verliert in Anbetracht regelmäßig neuer Angebote den Überblick, während andere in Vergessenheit geraten.  

Hilfreiche Tipps zu vielen individuellen Gesundheitsleistungen liefert der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS). Für die Bewertung analysiert er das aktuelle Wissen über Nutzen und Schaden der Leistungen und bereitet es allgemeinverständlich auf. Stand April 2019 wurden 47 Leistung bewertet, davon zwei tendenziell positiv, 20 unklar, 21 tendenziell negativ und vier negativ. Mehr Informationen finden Sie unter www.igel-monitor.de.