Personalpraxis - 29.08.2022

Post-Holiday-Syndrom vermeiden

Der Urlaub war schön und erholsam, jedoch macht sich bereits gegen Ende der freien Zeit ein deprimierendes Gefühl breit: Anstatt mit neuer Kraft an die Arbeit zu gehen, geraten Beschäftigte v. a. in den ersten Tagen nach dem Urlaub in ein Stimmungstief. Psychologen sprechen vom sog. Post-Holiday-Syndrom, unter dem rund zwei Drittel aller Berufstätigen leiden.

Zeit zum Ankommen lassen

Viele Beschäftigte kennen das: Sobald der Urlaub vorbei ist, fällt es unheimlich schwer, wieder in den beruflichen Alltag hineinzukommen. Das frühe Aufstehen, ein Berg an unbeantworteten E-Mails und eine lange Liste an liegengebliebenen Aufgaben erwarten den Urlaubsrückkehrer. Viele Arbeitnehmer fallen direkt nach dem Urlaub in ein Leistungs- und Stimmungsloch. Auch wenn das Tief in der Regel nicht länger als drei Tage andauert, ist es ratsam, ihm entgegenzuwirken. Denn der Wiedereinstieg ohne das Post-Holiday-Syndrom ist nicht nur stressfreier, sondern sein Ausbleiben wirkt sich auch langfristig auf die Motivation und Gesundheit der Beschäftigten aus.

Praxistipp

Bereits vor Urlaubsantritt sollten Beschäftigte an die Zeit danach denken. Eine gründliche Urlaubsübergabe, das Einrichten einer Abwesenheitsnotiz sowie das Erstellen einer To-Do-Liste für die Rückkehr erleichtern den Wiedereinstieg.

Wer aus dem Urlaub kommt, sollte sich am ersten Tag Zeit zum Ankommen geben und nicht das Ziel verfolgen, sofort wieder – sozusagen auf Knopfdruck – 100 Prozent Arbeitsleistung zu erbringen. Bei der Fülle der Aufgaben, die sich während der freien Zeit „aufgestaut“ haben, ist es wichtig zu priorisieren. Wichtige und dringend zu erledigende Arbeiten werden zuerst angegangen, alles andere wird zurückgestellt. Zeit für kurze Gespräche mit den Kollegen und der Austausch von Urlaubserlebnissen sind dabei keine „vertane Zeit“, sondern haben eine positive Wirkung auf die allgemeine Stimmung und den Teamgeist. Regelmäßige Kurzpausen, ein ausgiebiger Spaziergang in der Mittagszeit sowie ein pünktlicher Feierabend können verhindern, dass die Erholung sofort nachlässt und der Beschäftigte in alte Stressmuster verfällt.

Wie können Führungskräfte unterstützen?

Auch Vorgesetzte können ihren Beitrag dazu leisten, dass der Wiedereinstieg ihrer Mitarbeiter in den Arbeitsalltag gut funktioniert. Eine klare Vertretungsregelung führt dazu, dass notwendige Arbeiten bereits während des Urlaubs erledigt werden. Hierzu gehört auch die Weiterleitung von dienstlichen E-Mails während des Urlaubs an die Abwesenheitsvertretung, damit die Anzahl der unerledigten E-Mails überschaubar bleibt. Auch sollten Führungskräfte ihre Mitarbeiter nach Urlaubsende nicht gleich mit zahllosen Aufgaben überhäufen. Ein Gespräch zur Orientierung zu anstehenden Arbeitsaufgaben gibt Urlaubsrückkehrern eine klare Struktur und kann hilfreich für sie sein, sich wieder in die Arbeitsroutine einzufinden.

Praxistipp

Hält das Stimmungstief über einen längeren Zeitraum, z. B. über zwei Wochen, an und verschlimmern sich die Symptome (z. B. Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen), sollte sich der Beschäftigte professionelle medizinische Hilfe suchen, etwa bei seinem Hausarzt. Dieser kann einschätzen, ob es sich um eine ernsthafte psychische Erkrankung handelt oder die Ursachen der Symptome woanders liegen, z. B. in einer Überarbeitung, depressiven Verstimmung oder Unzufriedenheit mit dem Job.

Tipps gegen das Tief nach dem Urlaub

  • Ein Arbeitsstart nach dem Urlaub mitten in der Woche sorgt für eine kurze Arbeitswoche und erleichtert den Wiedereinstieg.
  • Bereits einige Tage vor dem Urlaubsende sollte der Schlafrhythmus an die Arbeitszeit angepasst werden.
  • Sport und viel Bewegung hilft, Stress abzubauen, vertreibt Müdigkeit und beugt durch die Ausschüttung von „Glückshormonen“ einem Stimmungstief vor.
  • Den nächsten Urlaub zu planen, sorgt für Vorfreude. Auch kleinere Urlaubseinheiten können helfen und nicht minder erholsam sein, als den kompletten Urlaub an einem Stück zu nehmen.

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