Portraitfoto BKK Vorstand Björn Hansen
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Liebe Leserinnen und Leser,

die neue Bundesregierung erbt eine wahre Großbaustelle. Denn beim Thema Gesundheit stehen große Entscheidungen an. Schließlich gilt es, den Kostenanstieg zu bremsen, der durch technischen Fortschritt bei einer gleichzeitig schrumpfenden Zahl an Beitragszahlenden durch den demografischen Wandel entsteht.

Denn die sehr gute konjunkturelle Lage der vergangenen Jahre und damit auch ein regelmäßiger Anstieg der Beitragseinnahmen in der Kranken- und Pflegeversicherung gehören der Vergangenheit an, die strukturellen Defizite unseres Systems haben uns eingeholt. Um die selbst auferlegte „Sozialgarantie“ eines Abzugs von maximal 40 Prozent an Sozialversicherungsabgaben nicht schon 2022 zu reißen, hat der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn immerhin für das kommende Jahr eine deutliche Erhöhung des Zuschusses an die Gesetzliche Krankenversicherung versprochen – aber auch der Bundeshaushalt kann diese Entwicklung nicht ewig ohne höhere Steuern oder Einsparungen ausgleichen.

Kaum jemand wird dabei allerdings zu Recht unseren gesellschaftlichenKonsens in Frage stellen, dass hierzulande grundsätzlich jedem jede zugelassene Therapie zur Verfügung stehen soll. Zustände wie in den USA, wo bei Weitem nicht jeder Bürger krankenversichert ist, möchte niemand haben. Ebenso unbeliebt sind die langen Schlangen vor Arztpraxen und Krankenhäusern, wie sie in staatlichen Gesundheitssystemen wie dem britischen gang und gäbe sind.

Was also tun? Ein wesentliches Defizit in unserem Gesundheitssystem stellt die deutsche Krankenhauslandschaft dar: Es gibt im internationalen Vergleich schlicht zu viele Betten. Auf 100.000 Einwohner kommen bei uns gut 800 Krankenhausbetten, in den Niederlanden sind es 300 und in Schweden 200. In vielen kleineren Klinken fehlt dem ärztlichen Personal zudem die Routine, sodass es überdurchschnittlich oft zu Fehlern kommt. Eine Ursache dieser Überkapazitäten ist die Krankenhausfinanzierung. Denn in Deutschland sind die Bundesländer für die Bedarfsplanung und die Finanzierung von Investitionen zuständig. Die Krankenkassen finanzieren „nur“ die Behandlungskosten. Da diese Vergütung pro Fall im internationalen Vergleich eher knapp bemessen ist, sehen sich viele Klinken gezwungen, durch eine hohe Anzahl von Operationen und durch Einsparungen beim Pflege- und Hygienepersonal wenigstens halbwegs rentabel zu bleiben – so dass sich die Ausgaben für Krankenhausaufenthalte auf mehr als ein Drittel aller Ausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung summieren. Gleichzeitig kämpfen viele Bundesländer mit Haushaltsdefiziten, so dass vielfach bei notwendigen Investitionen in den Krankenhausbereich gespart wurde. Schließungen gab es in der Vergangenheit dennoch selten, da heftiger politischer Ärger im Wahlkreis vorprogrammiert wäre.

Auch die Digitalisierung wird uns weiter begleiten. Ein Weg, bei dem wir auch Sie, unsere Versicherten, „abholen und mitnehmen“ müssen. Denn hier hat der Gesetzgeber in den vergangenen Monaten bereits viele Projekte ins Rollen gebracht, durch die sich gewohnte Strukturen ändern. Neben der elektronischen Patientenakte betrifft dies beispielsweise die nun digitale Arbeitsunfähigkeitsmeldung oder das E-Rezept – weder den guten alten „gelbe Schein“ noch das rosafarbene Rezept zur Einlösung von Medikamenten gibt es künftig noch – wer in den vergangenen Wochen glücklicherweise nicht krank war, findet in dieser Ausgabe Informationen zu diesen und einer darauf aufbauenden Neuerung, der digitalen Gesundheitskompetenz.

Eine interessante Lektüre wünscht

Björn Hansen
Vorstand

PS: Ihre Meinung ist mir wichtig. Schreiben Sie an bjoern.hansen@bkk-wf.de.

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